Kritik am iPhone 4: Wunderdisplay nur "erfundener Schwachsinn"
Kritik am iPhone 4: Wunderdisplay nur "erfundener Schwachsinn"
Montag, 14. Juni 2010 um 08:19
Ein Display-Spezialist übt harte Kritik an Apples "aufgeblasenem Marketing", demzufolge das neue iPhone 4 höher auflöst als das menschliche Auge. Andere Berechnungen geben Apple wiederum recht.
Vollmundig hatte Apple-Chef Steve Jobs bei der Vorstellung des neuen iPhone 4 erklärt, dessen "Retina-Display" angepriesen. Mit 326 Bildpunkten pro Zoll (ppi) sei es so hochauflösend, dass das menschliche Auge bei einem Betrachtungsabstand von rund 30 Zentimetern die einzelnen Pixel nicht mehr unterscheiden könne. Alles Humbug und nur "aufgeblasenes Marketing", sagt Raymond Soneira, Vorsitzender von DisplayMate Technologies und seit 20 Jahren in der Displayforschung gegenüber Wired. Nicht 326, sondern vielmehr 477 ppi seien die magische Grenzen des menschlichen Auges. "Alles was jetzt gesagt wird, ist nur superverstärkter erfundener Schwachsinn", meint Soneira.
Kritik unberechtigt?
Etwas differenzierter sieht das Phil Plait von Discover Magazine. Seinen Berechnungen nach gilt die Grenze von 447 ppi nur für Menschen mit perfekter Sehschärfe. Plait darf sich als Qualifikation die Kalibrierung einer Kamera an Bord des Hubble-Weltraumteleskops auf die Fahnen heften. Er rechnet in seinem Blogeintrag vor, dass bei Menschen mit normaler Sehschärfe Apples Angaben durchaus zutreffen. 286 ppi wären demnach die übliche Auflösung eines menschlichen Auges bei einem Abtand von etwa 30 Zentimetern.
Mehr Auflösung als die Konkurrenz
Fakt bleibt, dass Apple derzeit das Handydisplay mit der höchsten Auflösung bietet. 960 mal 640 Bildpunkte schafft sonst niemand. Die aktuell besten Android-Geräte stehen bei 800 mal 480 Pixel, was etwa beim HTC Desire mit seinem 3,7-Zoll-Touchscreen mit 252 ppi aber auch schon eine sehr gute Leistung darstellt. Wie gut Apples Display wirklich ist, werden erste Vergleichstests zeigen müssen.
Quelle: diepresse.com